Urban Citizenship und das Recht auf Stadt
Wie sich Konflikte um Anerkennung, Rechte, Ausschluss und Kontrolle in der Stadt verschränken
9.10.2015 19:00 Festivalzentrale, Marxergasse 1 | 1030 Wien | Erreichbarkeit: U3, U4, S-Bahnen, Landstraße-Wien Mitte

Nach einer kurzen Einführung in die Urban-Citizenship-Debatte von Henrik Lebuhn werden Potenziale und Fallstricke des Konzepts sowie Initiativen und Projekte vorgestellt und diskutiert

Was haben Flüchtlingsproteste, das kommunale Wahlrecht für AusländerInnen und die BenutzerInnenregelung von Stadtteilbibliotheken miteinander zu tun? Wer bekommt einen staatlich subventionierten Kindergartenplatz? Und wie lebt es sich ohne polizeiliche Meldebescheinigung?


Claudia A. De La Garza

Ähnlich wie in der Recht auf Stadt Debatte gilt der kritischen Citizenship-Forschung nicht die formale Staatsbürgerschaft, sondern der materielle Lebensmittelpunkt als Kriterium für den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen. Alle Menschen, die zusammen an einem bestimmten Ort leben und dort am Alltag partizipieren, sollten auch die gleichen Rechte und Pflichten haben. Im Anschluss an den englischen Soziologen T.H. Marshall legt eine solche Perspektive auf städtische Prozesse von Ein- und Ausschluss es nahe, die Forderung nach einem »Recht auf Rechte« (Hannah Arendt) unabhängig von der Staatsangehörigkeit zu vertreten.

In der kritischen Stadtforschung hat sich in diesem Zusammenhang seit Ende der 1980er Jahren der Urban Citizenship Begriff etabliert – im Deutschen: Stadtbürgerschaft. Dieser hat einerseits ein großes analytisches und politisches Potenzial. Andererseits ist er aber auch mit einer Reihe von Problemen verbunden. Nicht zuletzt wird oftmals übersehen, dass die lokale Anerkennung von Rechten und der Zugang zu Ressourcen gerade für MigrantInnen in der Praxis auf’s Engste mit lokalen Kontrollen des ausländerrechtlichen Status verbunden ist, dass sich Politiken der (Stadt-)Bürgerschaft also meist mit Strategien von Kontrolle und Exklusion verschränken.

Nach einer kurzen Einführung in die Urban-Citizenship-Debatte von Henrik Lebuhn werden Potenziale und Fallstricke des Konzepts sowie Initiativen und Projekte vorgestellt und diskutiert.

Erreichbarkeit: U3, U4, S-Bahnen, Landstraße-Wien Mitte

Henrik Lebuhn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrbereich Stadt- und Regionalsoziologie der Humboldt Universität Berlin und Redakteur von PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Er arbeitet zu Fragen von Urban Citizenship, Migration und Grenzen in der Stadt, sozialen Bewegungen und partizipativer Politik.

Fanny Müller-Uri ist politische Aktivistin, arbeitet als Rassismusforscherin und Bildungsarbeiterin in Wien. 2013 war sie Mitinitiatorin der demokratiepolitischen Kampagne zu den Nationalratswahlen »WahlweXel jetzt!«.

Jochen Becker ist Kurator, Kritiker und Autor in Berlin. Er ist Mitbegründer von metroZones – Zentrum für städtische Angelegenheiten.

Moderation: Christoph Laimer, dérive.


KATEGORIEN: Vortrag | Diskussion

TAGS: Staatsbürgerschaft, Stadtbürgerschaft, Migration, Recht auf Stadt, Recht auf Rechte, Ressourcen, Exklusion

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